Erbaut ab 1864

Kirchengeschichte

Vom Vorgängerbau über Reinhold Persius' Erstwerk bis zur Sanierung der Brügger Dorfkirche.

Vor der heutigen Kirche

Der Vorgängerbau

Das Dorf Brügge wird sicher seit seiner Gründung eine Kirche besessen haben. Quellenkundlich kann ein Fachwerkbau von 1697 nachgewiesen werden. Turm und Westgiebel wurden wegen Baumängeln im Jahre 1810 mit einer Bretterschalung versehen.

In den darauffolgenden Jahren verfiel die Kirche immer mehr, sodass eine neue Lösung gefunden werden musste.

Die Idee

Entwürfe für einen Neubau

In der etwa 1840 begonnenen Brügger Schul- und Ortschronik ist die Entstehung der heutigen Dorfkirche dokumentiert. Der sich stetig verschlechternde Bauzustand der alten Fachwerkkirche sowie der Wunsch ansässiger Großbauern nach einem repräsentativen Kirchenbau veranlassten den Patronatsherrn Otto August Alexander von Rohr, 1862 Entwürfe für einen Neubau in Auftrag zu geben.

Zwei Perleberger Architekten und der zu dieser Zeit noch nicht bekannte Berliner Architekt Reinhold Persius reichten ihre Zeichnungen ein.

Porträt von Reinhold Persius
Reinhold Persius (1835-1912)

Der Bau der heutigen Kirche

Persius' Erstwerk

Am 30. September 1862 legte Persius drei Zeichnungen vor. Eine davon fand die allgemeine Zustimmung des Patrons von Rohr zu Meyenburg, des Predigers Nigrinius aus Rohlsdorf, des Maurermeisters Kohlmetz aus Pritzwalk und der in Brügge sesshaften Großbauern.

Der einstimmige Beschluss zum Kirchenbau mit Baubeginn im Frühjahr 1864 wurde am 3. Januar 1863 vom Kyritzer Landrat Paul Persius, einem Bruder des Architekten, bestätigt. Aus Reinhold Persius' Entwurfszeichnung entstand ab 1864 in zweijähriger Bautätigkeit ein qualitätsvoller neogotischer Bau auf dem leicht erhöhten, baumbestandenen Anger in der Ortsmitte des Rundlings.

Bauliche Merkmale

Feldstein, Ziegel und Lanzettfenster

Bei der heutigen Dorfkirche handelt es sich um einen repräsentativen Feldsteinbau mit eingezogener polygonaler Apsis und einem hochaufragenden Westturm. Die Gebäudekanten sind mit einer Ziegeleinfassung versehen, in deren Verlängerung sich fialartige Türmchen erheben.

Zur Nord- und Südseite der Kirche öffnen sich, ebenso wie an der Apsis, drei Lanzettfenster mit abgetreppten Ziegellaibungen. Auf Sockel- und Fenstersohlbankhöhe umläuft das gesamte Gebäude ein Ziegelgesims.

Der quadratische Turmunterbau ist in Feldstein ausgeführt und ragt bis zum Dachfirst des Kirchengebäudes. Über ihm setzt der in Ziegeln ausgeführte oktogonale Turmschaft auf.

Innenraum und Ausstattung

Orgel, Kanzel und Gedenktafeln

Der Innenraum der Saalkirche wird über einen kleinen verputzten Vorraum erschlossen. Der Fußboden besteht aus naturroten Ziegeln, die Deckenkonstruktion zeigt sich als offener, mit Holz verkleideter Dachraum.

Auf der hölzernen Westempore wurde eine seltene Heerwagen-Orgel eingebaut. 1870 konnte das Instrument (einmanualig, 8 Register) mit Schleifladen und mechanischer Traktur feierlich eingeweiht werden. Die Orgel des aus Klosterhäseler bei Naumburg stammenden Orgelbauers Johann Friedrich Wilhelm Heerwagen war 2006 nur noch als Torso, aber in wesentlichen Teilen erhalten. Das verfallene Instrument konnte original restauriert und 2020 wieder eingeweiht werden, so dass die Persiuskirche über eine historische Orgel verfügt.

Von der weiteren Ausstattung sind Gestühl, Kanzel, Taufstein, zwei Gedenktafeln für Gefallene des Deutsch-Dänischen Krieges 1866 und drei Glocken erhalten. Kanzel und Taufstein wurden 1866 von dem Potsdamer Bildhauer und Stuckateur Friedrich Wilhelm Koch aus Portlandzement gefertigt.

Einordnung

Persiuskirche in Brügge

Der Förderkreis Alte Kirchen führte die Brügger Dorfkirche als „Dorfkirche des Monats“ und beschreibt die Rettung des stark geschädigten Baus als gemeinschaftliche Aufgabe aus Dorf, Förderverein und Unterstützern. Die öffentliche Darstellung bestätigt damit die zentrale Rolle des bürgerschaftlichen Engagements für den Erhalt der Kirche.

Der Zahn der Zeit und die Rettung

Vom drohenden Verlust zur Wiederbelebung

Der Kirchenbau wurde ab 1866 ununterbrochen bis 1945 genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Kirchennutzung nur noch eingeschränkt, an Bauunterhaltung war kaum zu denken. Über einen Abbruch wurde gesprochen, er wurde glücklicherweise nicht umgesetzt.

Erst mit der Deutschen Wiedervereinigung entwickelte sich in Brügge langsam wieder eine Initiative zum Kirchenerhalt. Federführend war Hans-Jürgen Meumann, der mit seiner Frau Ellen 1993 an den Ort zurückkehrte.

2006 stand die Brügger Kirche kurz vor dem Totalverlust. In den folgenden Jahren bildete sich der Förderverein Persiuskirche Brügge e.V. und setzte sich stark für den Erhalt der Kirche ein. Mit Engagement zahlreicher Helfer und Spender konnte sie erhalten, saniert und wiederbelebt werden.

Kirchenansicht um 1900
Kirchenansicht, ca. 1900
Zustand des Turms in den 1990er Jahren
Zustand des Turms in den 1990er Jahren
Hans-Jürgen Meumann
Hans-Jürgen Meumann, Ehrenmitglied des Fördervereins